Die jüdische Gemeinschaft ist gefragt!

(English below)

Wir alle müssen Flüchtlingen mit Menschlichkeit und Gastfreundschaft begegnen

Die Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V. rufen zum Engagement für Flüchtlinge auf. Es gibt dringenden Handlungsbedarf, sowohl bei der Erstversorgung als auch bei der Integration der Menschen.
Jeder und jede einzelne von uns ist gefragt, sich dafür einzusetzen, dass die oft traumatisierten Geflüchteten nach den Strapazen der Flucht bei uns freundschaftlich aufgenommen werden.

Als Teil der jüdischen Gemeinschaft und als engagierte Beterinnen und Beter der Synagoge Fraenkelufer sehen wir es als unsere Pflicht an, uns für ein Mehr an Willkommenskultur stark zu machen. Judentum ist ohne Menschlichkeit, Barmherzigkeit und Gastfreundschaft nicht denkbar. Damit diese Grundpfeiler unserer Religion nicht leere Hüllen bleiben, dürfen wir Jüdinnen und Juden nicht zur Situation der Flüchtlinge schweigen.

Bedrohung, Flucht und Vertreibung ist zudem für viele Juden eine Erfahrung, die sie direkt mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbinden. Die meisten in Deutschland lebenden Juden haben Vorfahren, die unter Lebensgefahr fliehen mussten, die auf Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen und auf Asyl durch andere Staaten angewiesen waren.
Diese Ereignisse in der jüngsten deutschen Geschichte sind tief in unserer kollektiven Erinnerung verankert. Das Bewusstsein, dass sich solch unmenschliche Entwicklungen niemals wiederholen dürfen, nährt unsere Überzeugung darin, aktiv zu werden.

Als erstes sind wir alle in der Pflicht, den Mund aufzumachen, wenn wir feindselige Äußerungen über Flüchtlinge hören und lesen. Abstoßende Kommentare, Beschimpfungen in sozialen Medien und Parolen auf Kundgebungen sind eine Bedrohung für unsere Demokratie, die wir sehr ernst nehmen müssen. Denn die Gefahr von Rechts beschränkt sich nicht auf Extremisten, die Wohnheime anzünden – sie beginnt beim Ausspruch “Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…”. Es liegt in unserer Verantwortung als Gesellschaft, ob wir eine solche Unkultur in unserem Land zulassen – oder ob wir uns ganz klar positionieren und zeigen, dass der rechte Rand nichts in der Mitte der Gesellschaft zu suchen hat!

Für jüdische Einrichtungen gibt es außerdem zahlreiche Möglichkeiten, sich ganz konkret einzubringen. Ob man in der eigenen Gemeinde das Bewusstsein für Willkommenskultur stärkt, ob man Spendenaktionen organisiert oder zusammen eine Flüchtlingseinrichtung besucht – jeder und jede kann etwas tun.

Wir, die Freunde der Synagoge Fraenkelufer, haben beschlossen, uns zu engagieren.
Die unmittelbar bevorstehenden jüdischen Hohen Feiertagen sind der richtige Zeitpunkt für eine Spendenaktion. Daher fordern wir unsere Beter und Gäste auf, Sach- und Geldspenden für Flüchtlingsfamilien mit in die Synagoge zu bringen. Diese werden wir sammeln und an Menschen in Wohneinrichtungen übergeben.
Am Mitzvah Day, dem jüdischen Ehrenamtstag, besuchen wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Morus14 ein Flüchtlingsheim, um Spenden abzugeben und den Tag mit den Geflüchteten zu verbringen.
Bei einer interreligiösen Lernnacht diskutieren wir schließlich unter dem Titel “Refugees welcome?” mit anderen religiösen und interreligiösen Gruppen, welche Verpflichtung(en) gegenüber Zuwanderern in unseren religiösen Quellen zu finden sind.

Die Welle des Engagements, die derzeit überall zu beobachten ist, erfüllt uns mit Hoffnung. Auch wir sind in der Pflicht, als Juden und als Bürger, aktiv zu werden!
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Jews step up! We are all responsible for welcoming refugees with grace and humanity

Friends of Fraenkelufer Synagogue e.V. calls on its community to take action with respect to refugees coming to Germany. There is a massive need for assistance, both in the immediate and long terms.

Each and every one of us must be pressed into action to ensure the warm and open reception of people who are in large part traumatized from their grueling flight from untenable circumstances.

As part of the Jewish community and active members of the Fraenkelufer Synagogue, we have an historical responsibility to do more for strengthening a culture of outreach and inclusion. Judaism is nothing without its commitment to humanity, compassion and hospitality. As these are pillars of the Jewish people, we Jews cannot remain silent regarding the urgent refugee situation.

Jews know first-hand about flight, expulsion and displacement. Many of us are members of families with direct experience to such trauma, and most Jews living in Germany are descendants of those who not long ago were forced to flee for their lives. Their fates were left to the mercy of others and the decisions of foreign lands who far more often than not denied them safety.

Such tragic events in recent German history linger deep within the Jewish collective memory, and our obligation to ensure that such inhumanity never again befalls a group of people compels us all the more to action.

We are first and foremost required to call out hostility against refugees and other vulnerable people. Menacing comments, insults and slurs, and bigotry at public demonstrations are a threat to us and an affront to our common democracy. Right-wing ideology is not limited to the extremist groups who set fire to refugee centers; it also emerges within coded language and comments like, “I have nothing against foreigners, but …”. We have a social responsibility to stamp out such backwardness from our midst and impede hate-creep in mainstream society.

There is much our Jewish institutions can do, from raising awareness to collecting donations to visiting refugee centers and lending a hand. No action is too small to show our commitment to and create a more open and diverse culture that can only benefit our shared society and economy.

We, the Friends of Fraenkelufer Synagogue e.V., are committing ourselves to action.

The forthcoming High Holidays compel us to be particularly reflective and mindful of those in need. So we are asking our members, when they come to the synagogue for the Holidays, to bring donations for refugees and their families.

We are dedicating our participation in this year’s International Mitzvah Day to refugee issues, visiting a refugee home along with our partner community organization, Morus14.

On a interreligious learning night, we will discuss the theological basis for helping outsiders in need under the title, “Refugees welcome?”

We are filled with hope by the outpouring of support we have seen for newly arrived refugees. However, this is only the beginning of a sea change in our society and so much more work is yet to be done.

As Jews and as democratic citizens, we need to engage and get active. Because we will never forget that we were once the ones in desperate need of the compassion and generosity of strangers.

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